Ich kann unsere gemeinsame Vergangenheit nicht loslassen

"Ich habe mit meinem Mann 20 Jahre einen Landgasthof geführt. Wir haben sehr jung angefangen und viel Arbeit und Herzblut reingesteckt. Wir haben den Gasthof von unten hochgewirtschaftet, umgebaut und erfolgreich geführt. Wir haben zwei Kinder, die noch im Schulalter sind. Vor drei Jahren hatte mein Mann eine Krise und seitdem eine Freundin. Ich habe es sehr schnell gemerkt und wir haben viel geredet und ich habe sehr um unsere Ehe, Familie , Betrieb gekämpft. Ich konnte es einfach nicht wahrhaben das auf einmal alles kaputt sein soll. Mehr als ein Jahr habe ich alles versucht die Ehe zu retten, mein Mann wollte aber nichts entscheiden oder ändern. Die Belastung wurde riesengross. Er wohnte inzwischen bei der neuen Frau, kam nur noch zum arbeiten und zu den Kindern. Aber er wollte keine Lösung oder Entscheidung treffen. Vor einem halben Jahr habe ich Ihm gesagt, das das so nicht mehr ginge, entweder das Geschäft verkaufen oder einer von uns beiden geht. Da er weder verkaufen, noch gehen wollte, bin ich mit den Kindern gegangen und arbeite nun im Büro. Ich habe auch einen neuen Partner gefunden mit dem alles wunderbar ist. Ich könnte jetzt zufrieden sein weil es mir viel besser geht als vorher. Aber ich denke viel zurück und an die Vergangenheit und das macht mich fast verrückt. Wie kann ich ihn und die Vergangenheit loslassen?" Liliane, 42


Liebe Liliane

Ich verstehe Sie sehr gut. Mit dem Mann, den Sie liebten, haben Sie eine Familie und einen Gastronomiebetrieb gegründet. Sie beide haben hart – aber mit viel Herzblut gearbeitet. Dann verliebte sich Ihr Mann in eine andere, womit er er nicht nur die Ehe, sondern auch Ihr gemeinsames Geschäft gefährdete. So haben Sie lange gelitten, sich gequält, gehofft, schlaflose Nächte gehabt….. Für ihn war dieses Arrangement bequem. Sie waren es, die irgendwann eine Entscheidung treffen musste. Sie mussten ja schliesslich Ihr Leben retten. Wären Sie in der Ehe geblieben, wären Sie vermutlich krank geworden oder hätten durchgedreht. Auch wenn die räumliche Trennung nun vollzogen ist: Ein Betrieb kann verkauft, verpachtet oder weiter geführt werden. Hier haben Sie nach wie vor ein Wörtchen mitzureden! Und vor allem: Ihr finanzieller Anteil des Betriebes muss sicher gestellt werden. Das Leben zwingt uns manchmal zu unangenehmen Entscheidungen, erst rückblickend sehen wir die Chance, die darin verborgen war. Vielleicht ist ihr jetziger Job auf dem Büro eine Übergangslösung. Ich höre aus Ihrem Brief heraus, dass ihr Herz eigentlich für die Gastronomie schlägt. Sie sind noch jung und haben viel Erfahrung – eine ideale Situation, um irgendwann etwas Neues aufzubauen. Bestimmt wären auch ein paar beratende Gespräche hilfreich, um mit der Vergangenheit abzuschliessen und frei für neue Visionen zu werden.



©Text: Christine Hefti, Foto: Wix

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